„Das hätte doch jeder getan!“ Der Todesmarsch von Flossenbürg und die wunderbare Rettung von 13 jüdischen KZ-Häftlingen

Veröffentlicht am 17.03.2010 in Veranstaltungen

Beeindruckender Historischer Themennachmittag der SPD Schierling:

„Das hätte doch jeder getan!“ Über diese Haltung der einfachen Bäuerin Anna Gnadl und der beiden anderen Retter von 13 jüdischen KZ-Häftlingen, der Polizeibeamten Max Maurer und Josef Kimmerling, setzte der SPD-Vorsitzende Armin Buchner in seiner kurzen Begrüßungsrede die Überschrift „Zivilcourage, Mut und Menschlichkeit“.

Knapp 50 Teilnehmer zählte der veranstaltende SPD-Arbeitskreis Großes und Kleines Labertal mit ihrem Sprecher Rainer Pasta aus Geiselhöring im Saal des Buchner-Wirtes, unter ihnen Angehörige von Anna Gnadl und Max Maurer sowie Mitglieder des Arbeitskreises Geschichte Ergoldsbach, Josef Wargitsch, Rektor der Hauptschule Ergoldsbach, Josef Wimbürger, ehemaliger Rektor der Grundschule Ergoldsbach und Schwiegersohn von Max Maurer, sowie Oberstudienrat Franz Graf. Sie alle erlebten eine ebenso spannende wie bedrückende und beeindruckende Schilderung der Geschehnisse vor 65 Jahren zwischen Oberlindhart, Neufahrn und Ergoldsbach durch den SPD-Ortsvorsitzenden und Lehrer Jürgen Rettberg aus Sinzing.

Allersdorf. Dass Allersdorf als Veranstaltungsort gewählt wurde, begründete der SPD-Ortsvorsitzende einmal mit der Mitbürgerin Franziska Weigl, einer Tochter von Anna Gnadl, der er über ihre anwesenden Angehörigen die besten Genesungswünsche übermitteln ließ.
Zum anderen erinnerte er die ebenfalls von Menschlichkeit geprägten Haltung seiner Großmutter und Buchner-Wirtin Anna Buchner gegenüber einem Kriegsgefangenen aus Saint Malo in der Normandie, die später zu einer intensiven privaten deutsch-französischen Freundschaft geführt habe.

Der Referent des Nachmittags, Jürgen Rettberg, schilderte eingangs kurz die Quellenlage für die letzten Kriegswochen und das „gespenstische Szenario“ der Todesmärsche, die von den Konzentrationslagern Buchenwald und Bergen-Belsen über Flossenbürg nach Dachau und bis zur österreichischen Grenze führten. Grundlage waren Befehle von Adolf Hitler und vom „Reichsführer SS“ Heinrich Himmler, „dass kein Häftling lebend in die Hände des Feindes fallen“ dürfe und dass jeder Deutsche, der einem jüdischen, englischen oder amerikanischen Gefangenen zur Flucht verhelfe, sofort hinzurichten sei. Dass die SS gerade in den letzten Wochen geradezu im Blutrausch aus Lust am Untergang, Frust über den Machtverlust und Mordlust wahllos mordete und dabei auch vor den Landsleuten nicht Halt machte, verdeutlicht das große Risiko, das die drei namentlichen Retter auf sich genommen hatten.

Von KZ Buchenwald bei Weimar wurden Anfang April 1945 28.250 Häftlinge auf den mörderischen Weg in den Süden geschickt. In Holzpantinen und dürftiger Häftlingskleidung legten die Opfer in knapp drei Wochen knapp 600 Kilometer zurück, wobei 7000 bis 8000 ihr Leben verloren, erschossen, von Hunden zerfleischt, verhungert oder aus Entkräftung. Von dem Zug, der zwischen dem 6. und 8. April 1945 in einer Stärke von ca. 1.600 Personen das KZ Buchenwald verließ und über Hof, Weiden, Flossenbürg, Cham, Wörth, Sünching, Oberlindhart und Ergoldsbach nach Landshut führte, verloren knapp 1.300 Häftlinge ihr Leben. Alleine zwischen Grasslfing und Grafentraubach wurden 43 von ihnen ermordet und drei weitere in Oberlindhart erschossen. Glück hatte ein Häftling, der vom Müllermeister Johann Huber aus Oberlindhart am 26. April versteckt und wochenlang gepflegt wurde.

Die Rettung der dreizehn jüdischen Häftlinge in den Tagen vom 26. bis 29. April 1945 schilderte Jürgen Rettberg anhand der vorhandenen Aktenlage und Befragungen akribisch genau und fast minutiös. Der Rest der bis dahin überlebenden Elendskolonne wurde von der SS am 26. April in der Scheune der Bäuerin Centa Schmalzl einquartiert. In der Nacht zum 27. April veranlasste die Sprengung der Eisenbahnbrücke bei Oberlindhart die SS zu einem panikartigen und überstürzten Aufbruch, den die dreizehn jüdischen Häftlinge nutzten, sich tief im Heu zu verstecken. Der zuständige Polizeimeister Josef Kimmerling entdeckte sie zwar im Laufe des 27. April und verbrachte sie in die Arrestzelle nach Neufahrn. Am gleichen Tag eröffneten ihm drei Angehörige der Waffen-SS in Neufahrn, sie seien zurückgeblieben, um in Oberlindhart unter den zurückgebliebenen Juden „aufzuräumen“. Auf Grund des Himmler-Befehls sei jeder flüchtige Jude zu erschießen und dieser Befehl auch ihn, Kimmerling, binde, falls er nicht ebenfalls hingerichtet werden wolle. Für den Polizeimeister war aber schon vorher klar, was ihm sein Gewissen befahl. Er hatte an diesem Tag bereits die Bitte eines der gequälten KZ-Opfer, ihn zu erschießen, abgelehnt. Er übergab die 13 KZ-Häftlinge am folgenden Tag seinem Ergoldsbacher Polizeikollegen Max Maurer, der sie in der Scheune von Anna Gnadl unterbrachte und sie von der Bäuerin mit warmen Essen versorgen ließ.

Es war eine ebenso gespenstische wie erschütternde Szene, die Jürgen Rettberg schilderte. Er würdigte die drei Lebensretter als „stille Retter, die ihrer Tat nie große Bedeutung beigemessen haben, weil es für sie nichts weiter war als ein Akt einfacher Menschlichkeit, zu dem sie sich aus christlicher Nächstenliebe verantwortlich fühlten.“ Die Rettung der dreizehn Juden habe zwar nicht die Dimension der Tat von Oskar Schindler, schloss Jürgen Rettberg seinen Vortrag, aber für beide gelte das Talmud-Wort: „Wer immer ein Menschenleben rettet, hat damit die ganze Welt gerettet.“

Die stellvertretende SPD-Ortsvorsitzende Madlen Melzer leitete mit dem bewegenden Gedicht von Johannes R. Becher „Die Kinderschuhe von Lublin“ über die Ermordung Tausender von Kindern in Polen die anschließende Gesprächsrunde ein.
Martin Auer berichtete anhand von Unterlagen aus der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg über eine andere Todesmarschkolonne von 400 Häftlingen, die von Flossenbürg nach Regensburg und von dort entlang der B 15 nach Landshut und bis nach Leobendorf im Landkreis Berchtesgadener Land führte. Von den 400 für Regensburg gezählten Häftlingen erreichten nur noch 140 den Ort ihrer Befreiung. Die Akten vermerken am 23. April für Hagelstadt, Eggmühl, Oberdeggenbach und Buchhausen je ein Opfer, und am 24. April in Oberlindhart neun und für Iffelkofen zwei tote KZ-Häftlinge.

In der Diskussion schilderte Rektor Josef Wargitsch kurz die schlagzeilenträchtige versuchte Namensgebung für die Grund-und Hauptschule Ergoldsbach. Für Oberstudienrat Franz Graf ist es sehr schwierig, Zeitzeugen als Augenzeugen zu finden. Ein wesentlicher Punkt der Aussprache war auch die Behandlung der Kriegsgefangenen in der Landwirtschaft oder in Betrieben. Eine von christlichen Werten geprägte menschliche Behandlung sei keine Selbstverständlichkeit gewesen, zumal sie gegen die NS-Vorschriften verstoßen habe.
Hans Gammel zollte dem Arbeitskreis Labertal großes Lob für diese Veranstaltung.

Dass Mut und Menschlichkeit auch heute noch von großer Bedeutung seien, machte Armin Buchner in seinem Schlusswort am Beispiel des Dominik Brunner aus Ergoldsbach, der in München seinen Einsatz für Kinder mit dem Leben bezahlt habe. Er sah in solchen Veranstaltungen eine Aufforderung zur Bekämpfung des Rechtsextremismus.

Abschließend lud Armin Buchner zu einer Busfahrt des Arbeitskreises am 8. Mai nach Flossenbürg ein mit kurzen Gedenkfeiern am KZ-Friedhof in Steinrain und in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg an der Hinrichtungsstätte des am 9. April 1945 ermordeten evangelischen Pfarrers und Theologen Dietrich Bonhoeffer und am Mahnmal für die verfolgten und ermordeten Sozialdemokraten.

 

Programm für die Gemeinde Schierling

 2014 - 2020 und darüberhinaus

Aus dem Sitzungssaal

10.07.2018:

Antrag der SPD-Fraktion zur Bildung eines Arbeitskreises für das "Schierlinger Echo"

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02.07.2018:

Antrag der SPD-Fraktion zur Organisation und Durchführung erweiterter Bürgerbeteiligung

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19.04.2018:

Antrag der SPD-Fraktion zum Bau einer öffentlichen Toilettenanlage am Park&Ride-Platz am Bahnhof Eggmühl

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18.04.2018:

Antrag der SPD-Fraktion zur Übernahme des Leitfadens zur Durchführung von Bürger-informationsveranstaltungen und Bürgerbeteiligungsverfahren

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10.04.2018:

SPD-Haushaltsrede 2018

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19.06.2017:

Antrag der SPD-Fraktion zur Erstellung einer Satzung für Ehrungen durch die Gemeinde

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04.04.2017:

Antrag der SPD-Fraktion zur Auflösung des Kommunalunternehmens

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04.04.2017:

SPD-Haushaltsrede 2017

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14.06.2016:

Antrag der SPD-Fraktion zur Einrichtung eines Soforthilfefonds

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14.06.2016:

Antrag der SPD-Fraktion zur Nutzung des „Kommunalen Förderprogramms für mehr bezahlbaren Wohnraum"

"Kommunales Förderprogramm für mehr bezahlbaren Wohnraum" der Bayerischen Staatsregierung

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13.06.2016:

Antrag der SPD-Fraktion zur Verkehrsberuhigung

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26.04.2016:

SPD-Haushaltsrede 2016

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10.03.2016:

Zum Thema "Subsidiarität"...

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23.02.2016:

Beschlussvorlage "Anträge der SPD" öffentliche MGR-Sitzung am 23.02.2016

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12.02.2016:

Antrag der SPD-Fraktion zur Förderung des Tourismus

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10.02.2016:

Antrag der SPD-Fraktion zur Einführung eines Ermäßigungspasses für Bedürftige

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09.02.2016:

Antrag der SPD-Fraktion zur Einhaltung von Bebauungsplänen

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09.02.2016:

Antrag der SPD-Fraktion zur einheitlichen Kostenerstattung

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24.10.2015:

Antrag der SPD-Fraktion zur Klärung der formalen Grundlagen zum Betreiben der Bücherei

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24.09.2015:

Anfrage der SPD-Fraktion bezüglich der Büchereifinanzierung

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24.09.2015:

Antrag der SPD-Fraktion zur Einrichtung einer öffentlichen Toilette

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11.06.2015:

Antrag der SPD-Fraktion zur Erstellung eines Gutachtens über LTE-Standorte

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09.05.2015:

 

Antrag der SPD-Fraktion zur Unterstützung des Gemeinsamen Positionspapiers

 

Gemeinsames Positionspapier zu internationalen Handelsabkommen und kommunalen Dienstleistungen

 

Factsheet

Dürfen Kommunen sich zu Freihandelsabkommen äußern?

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28.04.2015:

SPD-Haushaltsrede 2015

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07.04.2015:

Antrag der SPD-Fraktion zur Familienfreundlichkeit

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27.01.2015:

Nebengebäude
Altes Schulhaus

20.09.2019:

Antrag für nachhaltige Auftragsvergabe

Kommentare zum Gesche-hen vor Ort und in der Welt

13.12.2016:
Weihnachtsansprache
der SPD-Fraktion

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15.12.2015:
Weihnachtsansprache
der SPD-Fraktion

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16.12.2014:
Weihnachtsansprache
der SPD-Fraktion

"Mei Draam"

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27.11.2014:

Bürgerversammlung Buchhausen

Kommunalpolitik aktuell: "Nachnutzung MUNA"

Projektentwurf
Rhododendronpark
Blühende Bunkerwelten"
www.hobbie-rhodo.de
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Projektentwurf
Bürgerpark eG
Mensch und Natur"
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Projektentwurf
SILVA PARADISUS
Waldparadies"

Kommunalpolitik aktuell: "Pilgerweg VIA NOVA"

VIA NOVA

Europäischer Pilger- und Friedensweg

Spirituelle Wegweisung für die Zukunft und eine große Chance für den naturnahen Nah- und Ferntourismus im Großen und Kleinen Labertal, z.B.

VIA NOVA

Weichenstellung für sanften Tourismus im Labertal

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VIA NOVA

europäischer Friedensweg mit Schlachtfeldrundweg um Eggmühl anno 1809

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VIA NOVA

Radl-Tour auf Niedermünsterrundweg

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VIA NOVA

Zeitreise document Niedermünster


Die Marktgemeinde Schierling ist nach einstimmigen Beschluss des Marktgemeinderates vom 29. März 2011 auf Antrag der SPD-Fraktion offizielle VIA NOVA-Gemeinde


www.pilgerweg-vianova.eu

Energiewende im Labertal

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Wir helfen ihnen gerne!

=> zum Vertragsangebot

Aktionsreihe AK Labertal "Zivilcourage zeigen"

Vortragsreihe im Rahmen der Historischen Themennachmittage:

"Der kleine Widerstand im Labertal"

27.03.2011: Langquaid

29.05.2011: Geiselhöring

16.10.2011: Rottenburg

22.04.2012: Straubing

28.10.2012: Schierling

 

SPD-Mandatsträger


Ismail Ertug, MdEP
Ihr Europaabgeordneter für die Oberpfalz u. Niederbayern
 
www.ertug.eu
 
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Marianne Schieder, MdB
Ihre Bundestagsabgeordnete für Stadt und Landkreis Regensburg
 
www.marianne-schieder.de
 
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Margit Wild, MdL
Ihre Landtagsabgeordnete für Stadt und Landkreis Regensburg
 
www.margitwild.de

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125 Jahre BayernSPD:

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Zitate:


"Die CSU steht vor einem Scherbenhaufen, weil sie versucht hat, mit bewusster Irreführung das Volk hinters Licht zu führen."

 

Christian Ude, SPD-Spitzenkandidat und Oberbürgermeister von München, zur Pkw-Maut in seiner Rede beim Gillamoos 2013 im niederbayerischen Abensberg.


Buch-Tipp der SPD Schierling:

Von Sozialdemokraten gelesen - von Sozialdemokraten empfohlen:


"Macht und Missbrauch" Franz Josef Strauß und seine Nachfolger

Aufzeichnungen eines Ministerialbeamten

von Wilhelm Schlötterer, erschienen im Fackelträger-Verlag

Foto:

Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn

 

"Dr. Wilhelm Schlötterer, ein ehemals leitender Steuerbeamter in Bayern, beschreibt in dem Buch seinen couragierten Kampf für Recht und Gesetz und gegen ein menschenverachtendes System, dass die CSU in Bayern über viele Jahre hinweg skrupellos ausbaute. Beginnend von Franz Josef Strauß, der in seiner Besessenheit nach Macht und Gier sich selbst zum Gesetz erhob, über seine Nachfolger Max Streibl und Edmund Stoiber bis in die heutigen Tage hinein entlarvt Schlötterer schonungslos die hässliche Fratze der CSU und setzt einen eindrucksvollen Schlussstrich unter der Legendenbildung um diese angeblich christlich-sozialen Partei.

Der Autor schildert das weit verbreitete Mitläufertum innerhalb der CSU, das die Missachtung der Rechtsstaatlichkeit und Demokratie sowie die schamlose Selbstbedienung mithilfe des Staatsapparates erst möglich machte.

Für seine standhafte Haltung und seine gelebte Zivilcourage gebührt Wilhelm Schlötterer höchste Anerkennung. Für uns soll dieses Buch Mahnung und Auftrag zugleich sein, diesem Missbrauch der Macht mit allen Mitteln der Demokratie konsequent entgegen zu treten."

 

Armin Buchner

SPD-Ortsverein Schierling